Christoph, Nachruf von Serdar Yüksel
Liebe Freundinnen und Freunde,
der letzte öffentliche Auftritt von Christoph Nitsch am 9. November in Wattenscheid steht sinnbildlich für sein Leben und sein politisches Wirken. An einem Tag, der wie kaum ein anderer für das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus steht, zeigte Christoph noch einmal jene Unnachgiebigkeit und Geradlinigkeit, die ihn auszeichneten. Entschlossen und ohne jedes Zögern stellte er sich der Provokation der AfD entgegen und machte deutlich, dass Faschisten an Orten des Gedenkens keinen Platz haben. Damit verteidigte er nicht nur einen Ort, sondern die Würde der Erinnerung selbst.
Christoph hatte einen klaren, unverstellten politischen Kompass. Er wusste, was richtig war, und er handelte danach – auch wenn es unbequem war oder Gegenwind bedeutete. Er ließ sich nicht einschüchtern, nicht vereinnahmen und nicht verbiegen. Seine Haltung war getragen von Wissen, historischer Sensibilität und einer tiefen Solidarität mit den Opfern von Faschismus, Krieg und Ausgrenzung. Worte waren für ihn nie Selbstzweck, sondern Mittel, um aufzuklären, zu widersprechen und Mut zu machen.
Viele von uns haben Christoph als verlässlichen Mitstreiter erlebt: jemand, der präsent war, wenn es darauf ankam, der Verantwortung übernahm und der Diskussionen nicht scheute, wenn es um die richtige Sache ging. Seine Geradlinigkeit konnte anstrengend sein – aber genau diese Konsequenz machte ihn glaubwürdig und stark. Sie war Ausdruck seiner Überzeugung, dass Erinnern, Widerstand und Engagement keine leeren Begriffe sind, sondern tägliche Praxis.
Serdar Yüksel, MdB