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Gedenken an den 9. November 1938, die Reichspogromnacht

Gestern begingen das Kuratorium "Stelen der Erinnerung" e.V. und die Jüdische Gemeinde Bochum- Herne- Hattingen ihre alljährliche Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in Wattenscheid auf dem Nivellesplatz.

Neu war, dass diesmal auch die Bezirksvertretung Wattenscheid als Mitausrichterin dabei war und sich auch Schülerinnen und Schüler der "Märkischen Schule" am Programm beteiligten.

Nach dem schon traditionellen Singen des Liedes "Die Moorsoldaten" begrüßten Kuratoriumsvorsitzender Felix Oekentorp und sein Stellvertreter Christoph Nitsch die zahlreichen VeranstaltungsteilnehmerInnen.

Es folgte eine beeindruckende Rede des Bezirksbürgermeisters Hans- Peter Herzog, in der er sich gegen jegliche Art von Antisemitismus aussprach. Auch Felix Lipski, der als Kind das Ghetto von Minsk überlebte, fand erneut bewegende und sehr persönliche Worte.

Für den kulturellen Teil der Veranstaltung sorgten die SchülerInnen der "Märkischen Schule" mit einer szenischen Lesung der "Todesfuge" von Paul Celan, Zitaten zum Holocaust und selbstkomponierter Musik.

Einmal mehr erfreute Ilja Berin von der jüdischen Gemeinde die Anwesenden mit seinen jiddischen und russischen Liedern. Außerdem las Alina Röllke das Gedicht "Ankunft" der österreichischen Holocaustüberlebenden Stella Rotenberg. Die Gedenkveranstaltung endete mit dem Verlesen der Namen der Wattenscheider Opfer der Shoa, einer Schweigeminute und zwei traditionellen, hebräischen Gebeten.

Schüler:innen der Märkischen bei der Szenischen Lesung

Ankunft

Aus den erstickenden Wagons,
aus der leibigen, kotigen Wärme
in die eiskalte, dunkle Nacht.
Erschöpfte, kranke Menschen
taumeln
in die Kälte, die Dunkelheit,
in die Verzweiflung, die Düsternis,
in die pechschwarze Angst der Trennung.

Bellend, beißend, reißend
Hunde!
Schüsse!
Auf der Rampe blendende Scheinwerfer...
Hinter der dem grellen Licht
uniformierte Schatten,
Kappen mit dem Todeszeichen,
Stimmen,
welche selektieren
in die eine graue
oder
die andere blaue
aber
immer erstickende Luft.

Heute eine andere Ankunft!
Höflich, respektvoll, andächtig!
Leere Baracken, wachsendes Gras...
Aber in ihnen, unter ihnen, zwischen ihnen
die, welche nicht vergessen können,
nicht vergessen wollen, dürfen, sollen,
Wir brauchen sie
zum Leben!

Stella Rotenberg (1916- 2013)

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