Zum 99. Geburtstag von Betti Hartmann

Zum 99. Geburtstag von Betti Hartmann

Ihr Lieben, ganz herzlichen Dank, dass ihr hier erschienen seid zum 99. Geburtstag von Betti Hartmann. Betti Hartmann könnte diesen Geburtstag vielleicht noch feiern, wenn sie nicht als 15 Jährige schon ermordet worden wäre in Auschwitz. Als Hannes Bienert seinerzeit die Unterlagen aus Auschwitz von einer Schulfahrt bekommen hatte und dann zu dem Zeitpunkt klar war, Betti Hartmann ist die jüngste Wattenscheiderin, die den Verbrechen der Nazis zum Opfer gefallen ist, hat er einen Bürgerantrag gestellt, dass dieser Platz hier ihren Namen trägt.

Die Verwaltung war deutlich dagegen, hat eine Beschlussvorlage an die Bezirksvertretung gegeben, demnach das ein zwar löblicher Antrag sei, aber dann doch diesem Platz, wenn er überhaupt einen Namen kriegt, eine anderer gegeben werden sollte. Erfreulich: Die Bezirksvertretung hat einstimmig gegen die Beschlussvorlage und für den Bürgerantrag von Hannes Bienert gestimmt. Seitdem heißt dieser Platz Betti Hartmann Platz. Der Tod von ihr war derart sinnlos wie jeder Tod, der gewaltsam entsteht, jeder Mord, jeder Tote im Krieg absolut sinnlos ist.

Aber wenn man sich vorstellt, dass die Nazis sogar Kinder, Mädchen, 15 Jährige umgebracht haben, dann ist das noch eine Steigerung von diesem sinnlos. Und es ist unerträglich. Man konnte das schon vorhersehen. Die Nazis haben nicht hinter dem Busch gehalten mit ihren Absichten. Es war nachzulesen in Hitlers „Mein Kampf“. Betti Hartmann hat auch schon, bevor die Nazis an die Macht gekommen sind, sicherlich keine unbeschwerte Jugend gehabt als jüdisches Kind. Als 15 Jährige wurde sie in Auschwitz ermordet, als eine von 87 Menschen aus Wattenscheid, als eine von sechs Millionen jüdischen Menschen, die die Nazi Herrschaft dann zu verantworten hat. Unerträglich.

Als dieser Platz ihren Namen bekommen hat, war noch nicht abzusehen, dass Nazis wieder so massiv in Parlamente kommen und hier in Wattenscheid sogar einen stellvertretenden Bezirksbürgermeister stellen können. Das konnte nur geschehen, weil einer aus den demokratischen Fraktionen gegen die eigene Liste und für die Naziliste gestimmt hat. Und es ist absolut unerträglich, dass das so einer nun in einer solchen Funktion ist.

Es gibt jetzt ein demokratisches Bündnis, in dem auch Ratsvertreter und Ratsfraktionen mitmachen. Die VVN hat die Federführung hat, dass wir hier stehen, jedes Mal vor Sitzungen der Bezirksvertretung. Die nächste wird sein am 3. März, bis diese Person nicht mehr im Amt ist.

Vor der letzten Bezirksvertretersitzung waren wir hier mit 23 Leuten, gezählte, während das Nazigesindel mit 9 Leuten auf der anderen Seite stand. Es gibt inzwischen eine gemeinsame Resolution der demokratischen Fraktionen in der Bezirksvertretung, die diesen stellvertretenden Bürgermeister auffordert, zurückzutreten.

Diese Resolution bezieht sich vor allem auf dessen persönliches Fehlverhalten. Das ist noch mal ein ganz konkreter zusätzlicher Anlass, ihn zum Rücktritt aufzufordern. Aber natürlich ist auch Grund, dass dieses Nazigesindel grundsätzlich nicht in solche Funktionen gehört. Wir rechnen damit, dass er nicht freiwillig zurücktreten wird. Und ich gehe stark davon aus, dass dann als nächster Schritt in einer der nächsten Sitzungen ein Abwahlantrag folgen wird. Dem müssen zwei Drittel der Bezirksvertreter:innen zustimmen. Das heißt 13 braucht es mindestens. Die Nazis haben vier Vertreter, die gesamte BV besteht aus 19., Man muss schon sicherstellen, dass nicht wieder ein oder mehrere Überläufer von den anderen Abgeordneten hier in der Bezirksvertretung dagegen stimmen.

Ich bin optimistisch und wir werden auf jeden Fall bei allen Bezirksvertretersitzungen mit Protesten dagegen halten bis dieser Schandfleck eines Nazi-Bürgermeisters hier in Wattenscheid ein baldiges Ende bekommt.

Jetzt aber zurück zu Betti Hartmann. Da es ihr Geburtstag ist, wollen wir auch entsprechend etwas Feierliches machen, nämlich die mitgebrachten Blumen anbringen.

Betti Hartmann
als 15jährige in Auschwitz ermordet

Hannes Bienert
ein Leben für das "Nie wieder"

Antifaschistischer Stadtplan
Spuren der Nazis in Wattenscheid

Der Prozess
Verurteilt für das Gedenken

Stelen am Nivellesplatz